Mittwoch, 23. November 2016

"paleo-kompakt": Reduzieren oder vom Speiseplan streichen

In kompakter Form möchte ich Euch in diesem Beitrag einen Überblick über die wichtigsten "Don'ts" der Paleo-Ernährung geben, der sich vor allem an interessierte Einsteiger richtet. Dass die jeweilige Argumentationsline, warum diese Nahrungsmittel deutlich reduziert oder besser komplett vermieden werden sollten, im Rahmen eines Überblicks sehr komprimiert ausfällt, liegt in der Natur der Intention dieses Beitrages. Ebenso habe ich bewußt die zahlreichen umstrittenen Lebensmittel wie z.B. Pseudogetreide, "Safe Starches" und Nüsse (mit Ausnahme der Nachtschattengewächse) ausgeklammert, weil dies den Rahmen eines kompakten Überblicks sprengen würde.


Die folgenden Nahrungsmittel solltet ihr in Eurer Ernährung deutlich reduzieren - konsequenter noch: komplett streichen, wenn Ihr eine Paleo-Ernährung unter den Vorzeichen des 21. Jahrhunderts emulieren wollt:
von Robert Bock 
  • Sämtliche industriell bearbeiteten Nahrungsmittel.  
Begründung: Sie enthalten zumeist billige Transfette (hydrogenisierte Pflanzenfette, z.T. erkennbar an der Bezeichnung “teilweise gehärtete Fette”), Aromen, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Zucker, künstliche Süssstoffe, viel Salz und dergleichen mehr. Alleine schon durch den Verzicht auf diese Kategorie läßt sich das ungesund entgleiste Kalium:Natrium-Verhältnis deutlich korrigieren, was z.B. Bluthochdruck entgegensteuern hilft. Zudem sind industrielle, haltbar gemachte Lebensmittel oft stark histaminhaltig. Viele Menschen leiden unter einer (unerkannten) Histaminunverträglichkeit bzw -sensitivität.
  • Keine Speiseöle mit hohem Gehalt an Omega-6-Fetten (insbesondere kein Sonnenblumen-, Weizenkeim-, Mais-, Erdnuss, Soja- und Distelöl).  
Begründung: Eine in Relation zu den Omega-3-Fetten zu hohe Zufuhr an Omega-6-Fetten schlägt sich im Eicosanoidhaushalt in Form eines entzündungsfördernden Milieus nieder. Wenn Ihr ein Milieu schaffen wollt, das entzündungsbekämpfend ist, dann sollte das Verhältnis von Omega-6 zu Omega 3 zwischen 1:1 und 4:1 liegen. In einer Western Standard Diet liegen Werte zwischen 12:1 und 20:1 vor. Kein Wunder, dass entzündliche Krankheitsbilder derart grassieren. Zudem können beim Erhitzen von Omega-6-Fetten auf hohe Temperaturen (z.B. beim Frittieren) gesundheitsschädliche Transfettsäuren entstehen.
  • Kein Zucker! Auch keine Form von Rohrzucker oder braunem Zucker. Einzig akzeptabel, da auch unseren altsteinzeitlichen Vorfahren verfügbar gewesen, sind (getrocknete) Früchte und Honig. Da dieser aber nicht in Pfundgläsern verpackt an Bäumen wächst, sondern nur unter Inkaufnahme von schmerzhaften Stichen und auch nur für kurze Zeit im Jahr den Bienen zu stehlen war, sollte man Honig wie ein Gewürz verwenden.  
Begründung: Zucker treibt den Insulinspiegel aufgrund seines hohen glykämischen Index nach oben und fördert so die Entstehung von Insulinresistenz der Zellen, Hyperinsulinismus und Diabetes II  sowie Fettleibigkeit. Zucker liefert zudem lediglich leere Kalorien und verursacht Karies. Haushaltszucker (Saccharose) ist zudem aufgrund seiner jeweils hälftigen Zusammensetzeung aus Glucose und Fructose eine bedeutende Quelle der in großen Mengen konsumiert, besonders problematischen Fructose.
  • Kartoffeln (und andere Nachtschattengewächse wie Tomaten, Chillies, Paprika und Auberginen).  
Begründung: Kartoffeln sind vor allem wegen ihres hohen Stärkegehalts ein Problem. Dazu kommt das Nervengift Solanin, das auch durch Kochen nicht restlos vernichtet wird. Manche Menschen reagieren sehr sensibel schon auf kleinste Mengen.Die Meinungen zu Nachtschattengewächsen sind (mit Ausnahme zu Kartoffeln, die wegen ihrer Stärke gemieden werden sollte, es sei denn man treibt Leistungssport und geht hier Kompromisse ein) in der Fachliteratur sehr unterschiedlich. Ich selbst genehmige mir gelegentlich Tomaten, Paprika, Chillies oder Auberginen, versuche aber die solaninhaltigen Teile der Früchte konsequent auszuschneiden. Wer Probleme mit Gelenkschmerzen aus dem rheumatischen Spektrum hat, der sollte Nachtschattengewächse jeder Art meiden. Höchst bedenklich finde ich, dass eine Substanz wie Capsaicin, die Schmerzen verursacht als gesund gepriesen wird. Schmerz ist ein Alarmsignal unseres Körpers, das uns vor Schaden bewahren soll. Die Botschaft lautet: Lass den Scheiss! M.E. ist der Chilli-Hype eine geschickte Marketingstrategie derjenigen, die mit Chillies und daraus hergestelleten Produkten ihr Geld verdienen.

Mein Fazit: Eine umstrittene Kategorie. Auf dem Speisezettel der Europäer sind sie erst seit dem 16. Jahrhundert - also auf den Skalen der Evolution brandneu. Meine Meinung: Reduzieren, aber nicht unbedingt streichen - es sei denn man reagiert in irgendeiner Form sensibel darauf. Um das festzustellen, bietet sich eine Auslassdiät für 6-8 Wochen mit anschliessender massiver Wiedereinführung an.
  • Milch und Milchprodukte fremder Säugetierarten. Sämtliche und ohne Ausnahme. 
Begründung: Problematisch ist hier zum einen die säurebildende Wirkung und (für einen nicht zu unterschätzenden Teil der Bevölkerung) Laktose und Casein und Albumine sowie die abhängig machende Wirkung von Casomorphinen. 85% der Weltbevölkerung sind laktoseintolerant - 20% der bundesdeutschen Bevölkerung, d.h. jeder Fünfte und die wenigsten wissen es. Vor allem, wenn eure ethnischen Wurzeln im Mittelmeerraum, in Osteuropa, Lateinamerika, dem südlichen Afrika und Zentral- und Ostasien liegen. Ich rate dazu, euch - auch ohne Anfangsverdacht - ärztlich auf Laktoseintoleranz und Milchproteinallergien und -sensitivität testen zu lassen. Insbesondere eure Kinder, etwa nach dem dritten bis vierten  Lebensjahr nach Rücksprache mit dem Kinderarzt. 100% der Weltbevölkerung produzieren nicht das Enzym Rennin, das die Verdaulichkeit von Milchproteinen verbessern würde. Deshalb wird Milch durch Lab beim Käsen in langer Tradition bearbeitet, was seine Verdaulichkeit verbessern hilft. Sollte bei euch eine nicht-heriditäre (nicht ererbte, sondern erworbene) Fructoseintoleranz diagnostiziert worden sein, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihr auch laktoseintolerant seit. Handelsübliche Milch ist pasteurisiert und damit aller Nahrungsenzyme beraubt, die sie bekömmlicher machen würde. Die Homogenisierung sorgt für eine Veränderung der Fettmoleküle, die die gesättigen Fette der Milch erst problematisch für unseren Stoffwechsel machen.
  • Getreide und Getreideprodukte. Kein Brot, keine Nudeln, keine Cornflakes, kein Müsli, kein Reis, kein Mais, keine Backwaren, die Mehl enthalten. Kein Bier. Vor allem: Keine Vollkornprodukte. Entgegen der, seinerzeit von den Nationalsozialisten, im Zuge der Kriegsvorbereitungen initiierten Vollkornpropaganda, die von der DGE, die von den  Altnazis wie Werner Kollath maßgeblich geprägt wurde, fortgeführt wird, ist Vollkorn sogar die schlechtere Wahl als Weissmehl. Es hat seine Gründe, warum die Menschheit seit Anbeginn des Ackerbaus versucht hat, ihr Mehl fein auszumahlen und zu diesem Zweck immer bessere Technologien ersann.
Begründung: Das volle Korn enthält zwar mehr Mineralien als Weißmehl, aber es enthält eben auch in seinen Randschichten toxische Phytochemika (insbesondere Phytinsäure und Lectine) mit denen sich die Pflanze vor Fressfeinden schützt. Diese schaden auch uns Menschen und behindern insbesondere die Aufnahme wichtiger Mineralstoffe und Spurenelemente im Darm und können die Darmwand für allergene Stoffe durchlässig machen. Getreide ist ferner reich an Stärke und Energie (hohe glykämische Last und Stimulation der Insulinausschüttung) und das, bei in Relation zu anderen Nahrungsmitteln wie Gemüse und Obst, dürftigem Gehalt an Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Hochglykämische Nahrungsmittel mit zudem hoher Glykämischer Last sind Dinge, die fett machen. Die hochgepriesenen Ballaststoffe des vollen Korns holt man sich in der Paleo-Diät gesünder über reichlich Obst und Gemüse und das ohne toxische Begleitstoffe. Es macht keinerlei Sinn eine Diät um leere Kalorien herum aufzubauen – wir sollten versuchen so viele Nährstoffe pro Kalorie wie möglich zu konsumieren und nicht umgekehrt! Außerdem vertragen viele Menschen das Weizenprotein Gluten nicht (milde Formen bis hin zur Zöliakie) ohne dass sie das wissen. Wie auch Milch, enthalten Getreide mild abhängig machende Exorphine. Wer also auf Brot und Backwaren meint nicht verzichten zu können, der ist u.U. Opfer seines chemisch stimulierten Belohnungszentrums im Gehirn - nicht wesentlich anders als ein Junkie, Raucher oder Alkoholiker. Der Paleo-Ernährungsforscher Loren Cordain drückt es so aus: “Cereal grains are literalley best left for the birds!” Ich rate, wie im Falle von Laktose und Milchproteinen, auch ohne konkreten Verdacht, auf Glutenunverträglichkeit testen zu lassen.
  • Hülsenfrüchte (Bohnen jeder Sorte, Linsen, Erdnüsse –  Erdnüsse sind Hülsenfrüchte - und Soja sowie alle Sojaprodukte).  
Begründung: Das Problem hier ist Phasin, ein für den Menschen giftiges Glycosid, das die Blutkörperchen verklumpt und bei entsprechendem Verzehr großer Mengen roher Hülsenfrüchte tödlich wirken kann. Beim Keimen von Hülsenfrüchten (Sprossen) baut sich Phasin zwar ab, aber nicht restlos. Im Falle von Sojabohnen kommt noch Phytinsäure hinzu sowie bislang noch unzureichend geklärte hormonelle Wirkungen auf den Menschen auf lange Sicht. Sämtliche Sojaprodukte fallen aufgrund des aufwendigen Aufbereitungsprozesses, der nötig ist, um diese überhaupt kurzfristig geniessbar zu machen (Langzeitwirkungen ausgeklammert!) unter "industriell bearbeitete Nahrungsmittel". Der Volksmund beschreibt die Wirkung von Hülsenfrüchten auf unsere Verdauung mit dem Sprichwort “Jedes Böhnchen ein Tönchen” – dahinter verbirgt sich u.U. ein wesentlich größeres Folgeproblem, als nur das Risiko zeitweiliger sozialer Ächtung. Ebenso ein Problem hier: Die Kombination aus Proteinen und Kohlenhydraten sorgt für eine maximale Insulinreaktion der Bauchspeicheldrüse und für eine unzureichende Justierung der Magensäure, da Stärke hohe pH-Werte, Proteine aber niedrige Werte zur optimalen Verdauung braucht.

Die Fragen, die sich mir stellen sind zum einen, ob es Sinn macht seinen täglichen Energiebedarf mit suboptimalen Bausteinen wie Getreide und Milch zu decken, wenn es bessere Alternativen mit überlegener Nährstoffbilanz gibt, die zudem in Form gesättigter Fette und säurebildender Wirkung (Käse, Getreide) oder toxischen Phytochemika (Getreide, Hülsenfrüchte) problematische Begleitstoffe beisteuern. Macht es Sinn seine Ernährung um Kernbestandteile aufzubauen, deren Verhältnis von Nährstoffgehalt zu Energiegehalt suboptimal in Relation zu anderen Alternativen ist? Macht es ferner Sinn seine Diät um leere Kalorien herum aufzubauen?

Im Gegensatz zu vielen Generationen unserer Vorfahren haben wir heute unter den Vorzeichen des Überflusses des 21. Jahrhunderts die Wahl. Wir sollten sie rational treffen! Nicht alle Traditionen sind es wert, um ihrer selbst Willen erhalten zu werden.

Es bedarf für viele einer gewaltigen mentalen Umstellung, die - vermeintlich! - seit Anbeginn der Menschheit die Grundsäulen unserer Nahrung bildenden Getreide- und Milchprodukte - nüchtern betrachtet - als das zu würdigen was sie sind: Auf den Zeitskalen der Evolution sind sie brandneue Innovationen. 99,75% der Zeit seit unsere ersten Ahnen aufrecht gingen haben wir nicht auf sie als Basis unseres Fortkommens gebaut, dadurch unter härtesten Bedingungen überleben können und die ganze Erde besiedelt. Zudem war der Gesundheitszustand der Ackerbauern und Viehzüchter dramatisch schlechter als der ihrer Vorläufer, der Jäger und Sammler)

In den jüngsten lediglich 0,25% der verstrichenen Zeit arbeitet die Menschheit sehr erfolgreich daran, den Ast auf dem sie sitzt selbst abzusägen. Was die individuelle Gesundheit betrifft, die durch einen nicht artgemäßen Lebensstil entgleist und was die Ausbeutung ihrer Ressourcen und Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen angeht.

Auf Getreide- und Milchprodukte (und die anderen zu reduzierenden/meidenden Nahrungsmittel) zu verzichten – zumindest einmal eine Weile zur Probe – kann ein sehr spannendes persönliches Experiment sein. Vor allem fördert es die Einsicht in die vielfältige Verbreitung dieser Nahrungsmittel in unserer westlichen täglichen Ernährung. Und es wird Euch lehren, dass es euch ohne diese Produkte in vielfältiger Hinsicht besser gehen wird. 

Mir ging es so, als würde mein Körper “Danke” zu mir sagen. Danke, dass du mir endlich das gibst, was ich brauche – und zwar in Hülle und Fülle und nicht ständig zu wenig – und Danke dafür, dass Du mir die Dinge, mit denen ich nicht umgehen kann nicht mehr aufnötigst. Probieren geht über Studieren!

Wahrscheinlich werdet Ihr Euch fragen, was man denn dann überhaupt noch essen darf, wenn man sich diese zugegeben recht lange Liste der "Don'ts" anschaut. Dazu ein andermal mehr, wenn ich Euch in ebenso kompakter Form die "Do's" näherbringen werde. 

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein, in einigen Teilen (vor allem Getreide und Nachtschattengewächse betreffend) aktualisierter Re-Publish eines Beitrages aus dem November 2011. Die Kommentare die aus dieser Zeit datieren habe ich drin gelassen, beziehen sich aber auf die Version von damals.

Kommentare:

  1. Hallo Robert,

    ohne die neolithische Revolution würde die Menschheit aber immer noch jagend und sammelnd durch die Gegend ziehen, und die Zivilisation, deren direkter Nutznießer auch du bist, hätte sich niemals entwickelt.

    Alles hat nun mal (mindestens :-) ) zwei Seiten.

    Im Winter im geheizten Zimmer am PC sitzen,einen blog über "Steinzeiternährung" schreiben und über die ach so böse Zivilisation mit all ihren ernährungsbedingten Folgen herziehen, würde ich selbst als ziemlich "betriebsblind" bezeichnen.

    Sollte es sich am Ende bei der sog. "Paleodiät" auch nur um eine weitere fanatisch ausgerichtete Ernährungsideologie a la Veganismus handeln, die sich zum Ziel gesetzt hat, alle anderen Menschen zum "wahren" Glauben zu bekehren ?

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  2. Mir leuchtet ein, dass wir im Widerspruch zu unserem evolutionären Erbe leben. Aber ist das schlecht? Fürs Erste bestimmt, klar. Aber berauben wir uns nicht der Chance sich an die neue Lebensmittel- und Lebensumgebung anzupassen, wenn wir das Gegenteil leben. Laktose ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Körper beginnt sich der Moderne anzupassen. Wenngleich Laktose ebenso ein gutes Beispiel dafür ist, dass es nur schleppend (ist doch nichts Neues) vorwärts geht, und dass, was uns jetzt nicht gut tut, vielleicht später gut tun wird, gar nützlich sein könnte. Der Schritt zurück stiehlt uns die Möglichkeit, dass wir uns anpassen, wobei jedem klar sein sollte: rückwärtsgewandt zu leben, gesünder ist. Aber berauben wir uns damit der Möglichkeit der Weiterentwicklung?

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  3. @ Christian: Wenn Du meinen Essay zum "Mit dem Paleo-Lifestyle zu neuen Höchstleistungen, Teil 1" gelesen haben solltest, dann sind Dir vielleicht die folgenden Zeilen aufgefallen:

    "Die Neolithische Revolution zwang die Menschen zur Sesshaftigkeit mit all ihren negativen aber auch positiven Folgen. Sie gründeten Siedlungen, aus denen im Zuge eines einsetzenden Bevölkerungswachstums Städte entstanden, sie ist die Wurzel der Entwicklung der ersten Hochkulturen in Vorderasien und später im Mittelmeerraum und der bis heute über die Industrialisierung hinaus reichende andauernden Entwicklung in Kultur, Medizin, Wissenschaft und Technik, auf deren Segnungen wir heute nicht verzichten wollen würden."

    Da weder Du noch ich das Rad der Geschichte zurückdrehen können, müssen wir aus den Rahmenbedingungen, die sich uns stellen, das Beste für uns machen, sollten aber auch verstehen, das unsere selbst iniziierte Emanzipation von den Gesetzen der Natur durch Kulturleistung und Technik sich leider nur sehr unvollständig in unserem Genom widerspiegelt, dessen Stoffwechsel von wenigen Ausnahmen abgesehen (wie zb Laktosetolereanz bei ca. 15% der Weltbevölkerung) nach wie vor auf Altsteinzeit eingestellt ist. Wenn wir in unserer, durch die Segnungen der Zivilisation wesentlich bequemer und sicherer gewordenen Welt die Limitierungen die uns unser Steinzeitkörper aufzwingt intelligent berücksichtigen, dann können wir eine höhere Lebensqualität erzielen als wenn wir das nicht tun. Das Beste aus beiden Welten integrieren sozusagen. Darum geht es mir - und nicht um pseudoreligiösen Ernährungsfetischismus und irgendwelche Moden.

    Wie hat es auch der Evolutionsmediziner Detlev Ganten formuliert: „Es klingt vielleicht etwas paradox, aber man könnte sagen: Die Vorteile des Steinzeitlebens können erst heute richtig zum Tragen kommen - in einer Zeit, die uns dank Hygiene, Lebensmittelsicherheit, moderner Medizin (und auch weit friedlicherem Umgang miteinander als früher) ermöglicht, dass wir so alt werden können, dass diese Vorteile uns vor den Krankheiten des Alters schützen können. Wer mit 25 von Leoparden oder Parasiten aufgefressen wird, dem nützt es nichts, wenn sein Herz bis ins hohe Alter durchhalten würde.“ Nachzulesen in meinem Blog-Essay: "Wie alt wurden die Jäger und Sammler der Altsteinzeit?"

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  4. @ anonym: Du darfst den Unterschied zwischen Adaption im Sinne Lamarcks und Mutation im Sinne der Darwin'schen Lehre nicht vergessen. Ich hab das in meinem Essay "Mit dem Paleo-Lifestyle zu neuen Höchstleistungen, Teil 1" so ausgedrückt:

    "Den evolutorischen Charakter unserer Gene zu verstehen und aufgeschlossen dafür zu sein von unseren Vorfahren und ihrem erfolgreichen Kampf ums Überleben zu lernen, könnte für viele von uns eine fruchtbare Orientierungshilfe, sowohl für ein gesundes und langes Leben als auch für bislang nicht für möglich gehaltene sportliche Leistungssteigerungen sein. Die Alternative lautet: Abwarten bis in einigen tausend Generationen die Evolution unseren Stoffwechsel auf ein Vegetieren in geschlossenen Räumen, gemütlich in elektrisch verstellbaren Fernsehsesseln gelagert, unter Zufuhr von hochglykämischen Kohlenhydraten, gesättigten Fetten und künstlichen chemischen Zusatzstoffen hin selektiert hat und wir diesem Lifestyle optimal angepasst sind. Bleiben wir besser auf dem Teppich unserer Möglichkeiten und sorgen wir dafür, dass er fliegt indem wir uns unserer Art gemäß leben."

    Die natürliche Selektion und Anpassung usneres Genoms ist ohnehin durch Massenpopulation, fehlenden Selektionsdruck durch Medizin etc. nahezu zum Erliegen gekommen. Heute stirbt kein Kind mehr automatisch so wie früher, wenn es Laktoseintolerant war. Unter diesen heutigen Vorzeichen würde sich so eine Mutation nicht mehr als Selektionsvorteil erweisen. Was die Gentechnik daran ändern wird, steht noch in den Sternen, wird aber zu beachten sein.

    An der Leistung eines persönlichen Beitrags zur Adaption unseres Genoms an unsere unnatürliche Lebensweise habe ich kein Interesse, zumal ich auf Mutationen meines Genoms keinen bewußt steuerbaren Einfluß habe. Was ich ganz pragmatisch machen kann, ist mich so zu verhalten, dass ich im Einklang mit meinem genetischen Erbe lebe und anderen Menschen über die Zusammenhänge zu informieren, so dass sie selbst bewußt entscheiden können, wie sie ihr Leben so leben wollen, dass sie gesund alt werden.

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  5. Hallo,
    natürlich ist nicht alles an der Zivilisation schlecht. Aber die zunehmende Qualitätsminderung unserer Nahrungsmittel ist schon ein Problem. Manche Nahrungsmittel verdienen den Begriff garnicht, denn sie nähren nicht sonder entziehen dem Körper sogar noch Nährstoffe. Es ist ja hinlänglich bekannt dass Auszugsmehl und Zucker extreme Vitamin B1-Räuber sind.

    Ich lebe auch nach Paleo und bin über Loren Cordain und Robb Wolf dazu gekommen.
    Man muss es eben einfach erstmal ausprobiert haben um zu sehen, ob es eine Verbesserung bringt oder nicht, bevor man urteilt.
    Mir ist es aufgrund meiner Histaminunverträglichkeit, von der ich lange nichts wusste, ein Segen mich nach Paleo zu ernähren. Es ist der einzige Weg wie ich beschwerdefrei leben kann. Die zunehmende industrielle Verarbeitung unserer Lebensmittel mit all ihren Farbstoffen, Konservierungsmitteln, Emulgatoren, Stabilisatoren usw. dagegen ist ein echtes Problem für Leute mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien. Oft in Produkten in denen man es nicht vermutet und die als vermeintlich gesund gelten.
    Ich finde es gut das zu verbreiten, denn so wird den Menschen, denen es ähnlich geht wie mir, die Möglichkeit gegeben ihre Lebensqualität zu steigern. Und es gibt denjenigen, die, so wie ich, immer der Meinung waren relativ gesund nach den gängigen Empfehlungen der DGE also viel Obst und Gemüse, Vollkorn und täglich Milchprodukten, ab und zu Hülsenfrüchte zu leben und sich wundern, weshalb sie keine Besserung erzielen; den entscheidenden Hinweis.
    Natürlich interessieren mich die wissenschaftlichen Hintergründe, aber sie sind - mit Verlaub - zweitrangig. Mein erster Ratgeber ist mein Körper und der gibt mir nur positives Feedback im Bezug auf Paleo.
    Wer sich mal etwas näher mit Paleo beschäftigt, wird merken dass es hierbei nicht darum geht die Steinzeit nachzuahmen, sondern einfach die Ernährungsweise zu leben von der man denkt, dass der Körper am besten angepasst ist. Die individuelle Verträglichkeit spielt hierbei eine sehr große Rolle.

    Also vielen Dank für diesen Beitrag.

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  6. Gesättigte Fette sind gerade NICHT das Problem bei Milchprodukten. Gesättigte Fette sind nicht schlecht, sondern sehr gesund. Gerade Ghee ist sogar sehr gut. Auch Kokosnüsse (strotzen nur so vor gesättigten Fetten) sind gesund.

    Unter dem Punkt Zucker solltest Du vielleicht noch auf Hybridfrüchte oder allgemein Zuchtfrüchte hinweisen. Die meisten Früchte die man heutzutage hier so erhält, sind für Paleo nicht wirklich geeignet, da das (Frucht-)Zucker und Mineralstoffverhältnis aufgrund Überzüchtung extrem unausgeglichen ist.

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  7. Was gesättige Fette angeht, bin ich mir nach Würdigung des Standes der Forschung noch nicht wirklich sicher, ob man diese als unbedenklich einstufen sollte. Richig ist, dass sich die Zahl der Studien, die die Einschätzung dieser Fette in einem weit weniger negativen Licht erscheinen lassen, erhöht hat. Im Zweifel würde ich daher den Konsum eher niedrig halten und als Energiequelle primär zu einfach ungesättigten Fettsäuren greifen.
    Was die Früchte angeht, bin ich Pragmatiker: Man muss mitd em Vorlieb nehmen, was man auf dem Markt bekommt. Echtes Paleo-Obst werden wir ohnehin nicht auftreiben können, so dass das akademische Spitzfindigkeiten sind. Bevor man kein Obst ist, dann das, was man auf dem markt findet. Abgesehen davon ist die Studienlage zur Qualität moderner Obstsorten hinsichtlich Zuckergehalt nicht eindeutig. Dass unsere Ahnen lediglich schrumpelige, saure Äpfelchen aßen ist ohnehin ein Märchen, wie ich ich bereits in diesem Essay "http://pinkpoisononpaleo.blogspot.com/2011/11/waren-die-fruchte-die-unsere-ahnen-aen.html ausgeführt habe. Moderne Früchte kommen den afrikanischen "Urfrüchten" oft näher als europäische alte Sorten.

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  8. Angesichts der Tatsache, dass bei Mensch und Tier die Energiereserven hauptsächlich in Form gesättigter Fette angelegt werden, um diese in möglichen nahrungsknappen Zeiten zu nutzen, denke ich, dass sie insgesamt für den Stoffwechsel die bessere "Energiewährung" darstellen. D.h. der Körper erkennt sie, kann sie bestens verarbeiten und hat auch kein Problem damit.
    Auch wenn man betrachtet, dass das menschliche Gehirn zum Großteil aus gesättigten Fetten besteht, liegt es mir irgendwie fern, dass gesättigte Fette etwas schlechtes sind.
    Da tierisches Fett aus Masthaltung aber meist mit einem hohen Omega-6-Anteil behaftet ist, ist natürlich tierisches Fett aus Masthaltung nicht automatisch zu empfehlen.
    In diesem Fall bin ein großer Fan von Kokosfett, da es pflanzlicher Natur ist und fast ausschließlich aus gesättigten Fetten besteht, sodass hier das Problem mit übermäßiger Omega-6-Aufnahme garnicht besteht. Ausserdem liefert es aufgrund des hohen Anteils an MCT-Fetten (~15%) schnell Energie, was auch für Sportler interessant ist.
    Auch gute Butter (am besten aus Weide-/Heumilch) bzw. Butterfett/Ghee, sollte nicht verteufelt werden. Es besteht zum großen Teil aus kurz- bis mittelkettigen Fettsäuren, was es zu einem gut verdaulichen und bekömmlich Fett macht. Gut, für diejenigen, die Probleme mit der Verdauung langkettiger Fette haben.

    Obst bin ich auch gespaltener Meinung. Ich denke aber auch, dass manche Früchte heute derartig übersüß gezüchtet sind, dass sie für Paleo nicht mehr geeignet sind. Auch eine Frucht die im Grunde "unfruchtbar" ist, weil sie auf Kernlosigkeit gezüchtet wird, stehe ich mit Argwohn gegenüber.

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  9. Hallo Robert,

    was hältst Du eigentlich von Süßkartoffeln?
    Insbesondere als fructosearmer Glucoselieferant?

    Gruß, Tom

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    1. Nicht viel... ich verstehe nicht, wozu es Nachschattengewächse in der Ernährung bedarf, wenn an auch völlig unproblematisches Gemüse essen kann und dabei deutlich mehr Mikronährstoffe bekommt, wenn man die gleiche Menge KH konsumiert als mit Süß- oder normalen Kartoffeln.
      Abgesehen davon halte ich die Fructosephobie für völlig überzeichnenden Bullshit, sofern man Fructose über natürliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse aufnimmt. Die Studienlage unterstützt diese Panikmache in keinster Weise - ganz im Gegenteil.

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  10. Ok, sind zwar keine eigentlichen Nachtschattengewächse, scheinen nach kurzer Recherche aber doch Trypsinhemmer und Blausäure zu enthalten.

    Einige Samen scheinen ja erlaubt zu sein.
    Hast Du Erfahrung mit Chia-Samen?
    Die haben IMO ein interssantes Nährstoffprofil und einige Ausdauersportler verwenden das als Gelgrundlage:

    http://blog.rewirpower.de/index.php/2010/11/08/iskiate-das-naturliche-powergel-fur-ausdauersportler-ganz-einfach-selber-machen/

    sind die auch irgendwie problematisch?

    Gruß, Tom

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