Dienstag, 6. Oktober 2015

Never-Ever Paleo: Süßkartoffeln (Sweet Potatoes)

Photo by miya, wikicommons
Da erjagt und ersammelt Olga doch neulich bei Edeka tatsächlich ein paar dieser komischen Süßkartoffeln. Ich frag sie, welches Schwein sie damit zu füttern vorhätte, und wisst Ihr, was die Kleine mir antwortet? "Na Dich!" 
Man sollte hart im Nehmen sein, mit einer Russin an seiner Seite, sonst erschlägt einen der manchmal herbe Charme der Taiga.

Wir haben Süßkartoffelpuffer mit Speck daraus gemacht, die schmeckten ... najaaa. Bis zu diesem Tag hatte ich mich nicht intensiver mit Süßkartoffeln beschäftigt und auch bewußt nur sehr selten mal irgendwo gegessen. Nun, das Zeug schmeckte nicht mal übel (Olga ist allerdings der Überzeugung, dass selbst Pappkarton mit ein wenig Speck zu einer kulinarischen Sensation würde), mein Kenntnisstand war, dass diese rotbraunen, länglichen Dinger paleotechnisch akzeptabel seien, ich wurde neugierig und so habe ich ein wenig recherchiert.

Hätte er das mal lieber bleiben lassen, höre ich Euch schon aufstöhnen ...

Ich werde heute, als Ergebnis meiner Recherche, nämlich der Süßkartoffel, einem neben Nussmehlen und Cassava/Maniok weiteren "Lieblingsausweichprodukt" der Paleo-Szene, den Platz zuweisen müssen, den sie im manchmal harte Schatten schlagenden Lichte der ernährungsphysiologischen Faktenlage m.E. verdient hat: Den Platz außerhalb Eures Einkaufskorbes, fern Eurer Küche und noch ferner Eures Verdauungstraktes.
von Robert Bock

Tut mir leid, wenn ich wieder einmal den Spielverderber gebe, geneigte Leserinnen und Leser, aber wer sich in punkto paleokonformer Ernährung selbst verarschen will, der kann das nach Belieben tun - wer andere vorsätzlich oder fahrlässig verarscht, dem sollte m.E. im Interesse der Sache die rote Karte gezeigt werden. Das Paleo-Konzept sollte durch wirtschaftliche oder Gewohnheiten des Gaumens motivierte Partikularinteressen nicht verwässert werden, sonst gleitet es nach und nach in Beliebigkeit ab! Genau deshalb lege ich immer wieder mal den Finger in die teils sperrangelweit offenen Wunden des wildwuchernden Urzeit-Waldes im World Wide Web. (Ich liebe - wie weiland Wagner - Alliterationen.)

Die Süßkartoffel wird von vielen Paleo-Freunden als Surrogat für die klassische Speisekartoffel verwendet. Unsere klassischen Kartoffeln sind, so formuliert die Szene gerne plakativ, "böse", sind Nachtschattengewächse (ich sehe da vor meinem inneren Auge immer bei Vollmond aus Gräbern wachsende Hände...), enthalten Solanin und anderweitige Antinutrients, die sich selbst durchs Kochen nicht gänzlich beseitigen lassen, sind roh giftig, ziemlich reich an - ebenfalls "bösen" - Kohlenhydraten, weshalb sie uns eine (zu?) hohe glykämische Last auferlegen, stammen aus Süd- und Mittelamerika und außer Pelé, Diego Maradonna, Lionel Messi, Astor Piazzola, dem Tango sowie ein paar lesenwerten Schriftstellern, kam von dort m.E. in der Summe ziemlich wenig wirklich Unvergessliches und Unverzichtbares in die alte Welt, dafür aber Horden nerviger, Panflötenterror verbreitender Fußgängerzonenmusikanten, Nachtschattengewächse, Mais, Cassava, Süßkartoffeln und die Verrohung der Weinveredelung durch getoastete Holzchips statt langer Hege und Pflege der edlen Tropfen in traditionellen Barriquefässern.

Die Kartoffelknollen zählten, qua geographischer Herkunft - wie alle Nachtschattengewächse - nicht zu den Nahrungsgrundlagen unserer afrikanischen Urahnen, mit denen deren Stoffwechsel evolvierte, was zur Folge hat, dass wir Kartoffeln mittels geeigneter Technologie denaturieren müssen, weil die Mühlen der Evolution nicht lange genug mahlen konnten, um unser enzymatisches Systems mit den notwenigen Werkzeugen aufzurüsten, die die Antinutrients dieser Gattung unschädlich machen würden. Selbst die Süd- und Mittelamerikaner, deren Ahnen wesentlich mehr Zeit hatten, sich an ihren Fraß zu gewöhnen, sind dazu nicht in der Lage und müssen die Kartoffeln vor dem Verzehr denaturieren.

In unseren Breiten war es gar erst der Preussenkönig Friedrich II., der mittels seines "Kartoffelbefehls" im Jahre 1746 die anfangs ganz und gar nicht beliebte Knolle überhaupt erst in den Speiseplan einführte. Macht Euch das mal klar: Die Kartoffel kennt unsere Küche erst seit 268 Jahren! Soviel zu den angeblich uralten Traditionen regionaler deutscher Küchen. Was wären manche regionalen italienischen Küchen ohne Tomaten, ohne Polenta? Tja... die gleiche Geschichte: Die Traditionen, wurzeln in Wahrheit nicht allzu tief im Humus der Geschichte europäischer Esskultur.

Kartoffeln sind nicht paleokonform - hierin ist man sich in der Szene einig, auch wenn ausgerechnet ein weltführender Paleoernährungsforscher wie Staffan Lindeberg in einer TV-Doku doch tatsächlich Kartoffeln in seinem Ofengemüse drin hatte und damit eine Lawine des Erstaunens bis hin zu offener Entrüstung in der Szene auslöste.

Die Süßkartoffel hingegen sei "gut", steht in allerlei Quellen - insbesondere solchen aus den USA, wo die Knolle eine deutlich größere Bedeutung in der Ernährung hat, als in Europa. Die USA baut sie auch selbst an. Das sollte man wissen.

  • Kein Nachtschattengewächs, keine vollmondbeschienenen Hände, die durch Gräberhügel brechen - Hurra!
  • So gut wie frei von Antinutrients sei die Knolle, heißt es - Hurra!!
  • Also: paleo!
Hurra! Hurra! Hurra!

STOP! 
Bullshit-Alarm.....

Die Süßkartoffel, schreibt Wikipedia, "((Ipomoea batatas, auch Batate, Weiße Kartoffel oder Knollenwinde genannt) ist eine Nutzpflanze, die zu den Windengewächsen (Convolvulaceae) gehört. Vor allem die unterirdischen Speicherwurzeln, aber zum Teil auch die Laubblätter werden als Nahrungsmittel genutzt. Mit einer Jahresernte von 126 Millionen Tonnen ist sie nach Kartoffeln (Solanum tuberosum) und [Cassava/]Maniok (Manihot esculenta) auf dem dritten Platz der Weltproduktion von Wurzel- und Knollennahrungspflanzen; größter Produzent ist die Volksrepublik China. Mit der Kartoffel (Solanum tuberosum) ist die Süßkartoffel nur entfernt verwandt."
Beheimatet ist sie urspünglich in Mittelamerika und freigelassene Sklaven brachten sie zurück in ihre afrikanische Heimat.Von dort aus, verbreitete sie sich dann weiter in den warmen Klimazonen rund um die Welt.

Antinutrients? Bei Wikipedia - in der deutschen wie der englischen Ausgabe: Fehlanzeige. Doch das muß nicht viel bedeuten, denn ich habe keine blauen Augen, bin Hochschullehrer für Marketing und Marktforschung und von daher bin ich vertraut mit den Praktiken der Public Relations. Die wirtschaftlichen Interessen der Agrarwirtschaft, die unreflektierte Pflanzenkostpropaganda offizieller Fachgesellschaften nebst veganer Hirnvernebelungen, sorgen schon dafür, dass unappetitliche Wahrheiten herausgefiltert werden, die dem Geschäft schaden könnten. Die Süßkartoffel ist (noch) kein Agrarprodukt das im Mittelpunkt eines breiteren öffentlichen Interesses stehen würde und so können die PR-Knechte auf offenen Plattformen inkognito nahezu schalten und walten wie sie wollen.

Was bin ich froh, dass es in der Primärliteratur aber zur Süßkartoffel höchst unschöne Details zu finden gibt, und dass mir eine seriöse Organisation wie die OECD eine ganze Menge an Detektivarbeit abgenommen hat, als sie den Stand der Forschung zur Süßkartoffel bis zum Jahr 2010 in einem 40-seitigen Sonderbericht zusammengefasst hat. Diesen könnt Ihr Euch hier anschauen.

Auf den Seiten 27 und 28 dieses Berichts der OECD findet sich eine Darstellung der in Süßkartoffeln enthaltenen Antinutrients, Toxine und Allergene. Und auf die sollte man dann doch mal einen Blick werfen, bevor man sich einen Rohkostsalat aus geraspelten Süßkartoffeln zubereitet, wie ich ihn dieser Tage bei einer meiner Lieblings-Paleo-Köchinnen in ihrem Blog (leider) entdecken durfte/mußte.

Antinutrients:
  • Oxalate: Die OECD warnt vor allem vor dem Rohverzehr der Blätter der Süßkartoffelpflanze. Dürfte in unseren Breiten im Gegensatz zu den Anbaugebieten eher unerheblich sein, da die Blätter bei uns wohl kaum jemand konsumieren wird bzw. diese gar nicht auf dem deutschen Markt zu haben sein dürften. Aber auch die Knollen sind laut OECD und der von ihr verwendeten Fachliteratur nicht ganz ohne, und weisen freie Oxalate und Calziumoxalate im Rahmen dessen auf, was in anderen Wurzelgemüsen (Rote Beete zb) auch zu finden ist. Oxalate binden Mineralstoffe, insbesondere Calzium, und folglich können Defizite an diesem Mineral entstehen. Die Oxalate in den Blättern kann man durch Kochen in Wasser weitestgehend auswaschen, im Fall der Knollen ist dies deutlich schlechter möglich.
  • Trypsin-Inhibitoren: Die kennt man ansonsten vor allem von den Hülsenfrüchten und sie hemmen das Enzym Trypsin, das für die Zerlegung von Proteinen in Aminosäuren zuständig ist. Es handelt sich also um einen Proteasehemmer. Die Süßkartoffel ist übrigens die erste Nutzpflanze außerhalb der Gattung der Hülsenfrüchte, in der Trypsininhibitoren gefunden wurden. (Again what learned, würde Lothar Matthäus sagen). Der in der Süßkartoffel enthaltene Trysininhibitor wirkt zudem besonders stark und die OECD weist wohl deshalb auch darauf hin, dass es keineswegs ratsam sei, die Süßkartoffel roh zu verzehren. Gründliches Erhitzen über 100 Grad Celsius reduziert den Gehalt an diesem Proteasehemmer aber beseitigt ihn nicht gänzlich.
  • Polyphenole: Die Süßkartoffel ist reich an diversen Polyphenolen, die (als Gruppe von Phytochemika) teils nachweislich positive Wirkungen für unsere Gesundheit haben können, aber auch solchen, die nachweislich antinutritive Wirkung entfalten. So z.B. solche, die - ähnlich der Oxalate und der Phytinsäure - die Eisen und Zink binden und unverwertbar machen sowie die lebensnotwenige Aktivität bestimmter Enzyme in unserem Stoffwechsel unterbinden.
  • Phytinsäure: Der alte Bekannte aus den Getreiden und Nüssen. Läßt sich durch Erhitzen reduzieren, aber nicht auf Null drücken. Die bei Getreiden und Nüssen praktikablen Methoden des Wässern und Keimens bewirken im Fall der Süßkartoffel so gut wie keinen Effekt. Phytinsäure bindet Mikronährstoffe zu Chelatkomplexen und wir scheiden sie über den Stuhl unverrichteter Dinge aus.

Toxine (Giftstoffe):
Wird die Haut der Süßkartoffel durch mechanische Reize verletzt oder wird sie von Pilzen befallen, produziert die Knolle zu ihrem Schutz Toxine. Insbesondere Phytoalexine, die auch dem Menschen gefährlich werden können. Daher sollte man beschädigte und/oder schimmelige Knollen besser gar nicht verzehren. Falls doch: Kleinere Stellen mit Schimmelbefall sollten tief ausgeschnitten werden (3mm bis 1cm wird geraten). Kochen reduziert den Toxingehalt lediglich um 40%.

Allergene:
Ein überschaubares Problem, aber es sind in der Literatur einige wenige Fälle von allergischen Reaktionen (Nesselsucht (Urtikaria), Bewußtlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen) infolge des Konsums von Süßkartoffeln dokumentiert.

Sonstiges:
Raffinose - ein Zucker, den wir ähnlich nicht zerlegen können, weil uns ein Enzym fehlt, wie dies bei laktoseintoleranten Menschen mit dem Milchzucher der Fall ist. Zählt also als Ballaststoff und wir füttern damit unsere Mikrobiota im Darm an. Mit noch unbekannten systemischen Folgen - mit Ausnahme nachgewiesen ausgeprägter Flatulenz. Je süßer die Süßkartoffel, desto ausgeprägter die akustische und olfaktorische Belästigung der Umwelt.

(-Exkurs: 
Obwohl es ja auch Leute gibt, die an derartigen "akustischen Phänomenen" ihre Freude haben und virtuose Kunstfurzer ihr Publikum beizeiten zu Freudentränen hinzureissen vermochten. Ob sich wohl die Künstler mit Süßkartoffeln dopten? Man weiß es nicht. 
Der Kabarettist Sebastian Pufpaff jedenfalls, begeisterte sein Publikum mit dem Hinweis, der Mensch - die selbsternannte "Krone der Schöpfung", wie er hinzufügte - sei das einzige Lebewesen, das unter seine Bettdecke furze. - *LACHER* - Und dann auch noch vorsätzlich daran riechen würde. *GELÄCHTER. 
-Exkurs Ende)

Welche Nebenprodukte die Mikrobiota liefert, die von Raffinose lebt und die unserem Stoffwechsel helfen oder schaden können, ist wie gesagt, noch offen. Im Fall der Laktose weiß man, dass es für rund 70-80 Prozent der Menschheit nach dem Abstillen ein Problem ist und auch deswegen verzichtet man im Rahmen des Paleo-Konzeptes auf den Konsum von laktosehaltigen Milchprodukten.

Halten wir summarisch fest: Die Süßkartoffel steht der Kartoffel im Grunde hinsichtlich fehlender Paleokonformität  in nichts nach:
  • Sie roh zu verzehren ist aufgrund der Oxalate, Polyphenole und der Phytinsäure sowie ggfls. enthaltener Toxine keinesfalls ratsam. Auch wenn man es landauf , landab lesen kann, dass das unproblematisch sei: Es handelt sich nach Faktenlage trotzdem um dummen Blödsinn, den Ihr bitte konsequent bleiben lasst. Klar, die Dosis macht das Gift und wenn man alle paar Monate mal eine handvoll Süßkartoffelrohkost isst, wird man wohl kaum daran sterben. Wie sich das allerdings bei kleinen Kindern verhält, darüber wage ich nicht zu spekulieren und verantwortungsbewußte Väter und Mütter werden ihre Schlüsse daraus ziehen (hoffe ich).
  • Ansonsten führt kein Weg an der Anwendung der auch bei Kartoffeln angezeigten Denaturierungstechnologien vorbei, wobei auch hier keine gänzliche Beseitigung der problematischen Stoffe, sondern lediglich eine mehr oder weniger erfolgreiche Reduktion einiger, aber keineswegs aller dieser Stoffe möglich ist. Regelmäßiger Konsum im Sinne eines Grundnahrungsmittels führt also zu einer chronischen ernährungstechnischen Selbstsabotage durch Chelatkomplexe und die dadurch reduzierte Verfügbarkeit von Mikronährstoffen, die Hemmung der Proteinverdauung und u.U. Zufuhr von toxischen Substanzen. 
  • Eine richtig verstandene Paleo-Ernährung des 21. Jahrhunderts versucht den Mikronährstoffgehalt pro Kilokalorie zu maximieren und gleichzeitig die Zufuhr von Antinutrients und Toxinen zu minimieren. Die Süßkartoffel sabotiert diese Bemühungen und ist zudem - vergleichsweise zu einer Roten Beete etwa -  wesentlich energiedichter, was die Bilanz relativ zu anderen Wurzelgemüsen verschlechtert. Konsumiert man zudem oxalathaltige Gemüse wie Spinat, Mangold und Rote Beete und regelmäßig eben auch Süßkartoffeln, so kumuliert sich auch die Gesamtmenge an Oxalaten. Man rückt den kritischen Schwellen dadurch nur unnötig näher. Ein gesunder Körper kann mit bestimmten Mengen an bestimmten Antinutrients und Toxinen durchaus umgehen, aber nicht mit jeder Menge. Daher ist es auch besser, sehr, sehr abwechslungsreich zu essen, speziell, was pflanzliche Kost angeht und die nährstoffdichten Pflanzen, den weniger nährstoffdichten, die gleichzeitg sehr energiedicht sind, vorzuziehen. Das kann saisonal bedingt durchaus schwierig sein.

Wie ihr wisst, bin ich ein großer Freund der schlichten, aber enorm hilfreichen Basisregel für den Zweifelsfall von Ray Audette ("Neanderthin, 1999, S. 61):
"When in doubt about any food, apply the basic principle of Paleolithic nutrition: Would this be edible when found in its natural state and without technology? If the food in question passes this test, it may be eaten without fear."

Nach allem, was ich für Euch hier zusammengetragen habe, kann die Antwort nur lauten:

Süßkartoffeln? Never-Ever-Paleo!

Kaum ein Paleo-Kochbuch, das nicht strotzt vor Süßkartoffelrezepten. Im Grunde alle für die Tonne, wenn sich jemand wirklich paleokonform ernähren will. Wer der Meinung ist André Rieu und Rondo Veneziano würden Klassische Musik spielen, Brian Johnson wäre der bessere Sänger als Bon Scott es war und aus der Dornfelder- oder der Trollingertraube würde tatsächlich ein Rotwein gekeltert, dem wird das Süßkartoffel- und andere Probleme der Steinzeiternährung wahrscheinlich ebenfalls reichlich wurscht sein. Soll er/sie seine Ernährung nennen, wie er/sie mag, aber bitte nicht paleo.

Ich versprech's Euch, da werde ich auch künftig richtig lästig, wenn ich in den Publikationen der Szene Etikettenschwindeleien wahrnehme.... .

(Re-Publish von April 2014)

Kommentare:

  1. Danke, danke danke lieber Robert!
    Es ist so was von wichtig, dass es leute gibt, die dem ganzen Brot-nachbauten-selbstverrschungszeugs mal etwas entgegensetzen.
    ich selbst habe bis jetzt mit nusskonsum NUR schlechte Erfahrungen gemacht und Süßkartoffeln habe ich auch aufgehört zu essen, weil ich herausgefunden habe, dass ich auf salicylsäure reagiere. allerdings frage ich mich welche kohlenhydrate dann überhaupt unbedenklich sind.kochbananen, Yamswurzel?
    wie ist deine Haltung eigentlich zu Rohmilch?ist ja in freier Natur verfügbar und trinkbar.
    ich würde mich sehr freuen, wenn du vllt einmal was zu Schweinefleisch schreiben könntest. ich traue mich nämlich nicht es zu konsumieren, da es ja für viele gesundheitsprobleme als "Buhmann" herhalten muss und allgemein als "unrein" gilt.
    Lg Franzi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Franzi,

      danke zunächst für Dein freundliches Feedback und die Anregungen für zukünftige Artikel.

      Weder zu Kochbananen, noch zur Yamswurzel kann ich mir aktuell bereits ein Urteil erlauben, das meinen eigenen Ansprüchen an Fundierung gerecht werden würde. Ich bin aber heute zufällig über einen Fachartikel zur Yamswurzel gestolpert, der ein außerordentlich breites Spektrum der üblichen Antinutrients im Ausgangsprodkt auswies.
      Ich konzentriere mich, was stärkereichere Gemüse angeht auf die heimischen Karotten, Sellerieknollen und Rote Beete und ansonsten bevorzuge ich Gemüse, die oberhalb der Erde wachsen. Natürlich sind auch die nie frei von Antinutrients, aber diese lassen sich durch geeignete Zubereitungstechniken leichter reduzieren bzw. ist deren Gehalt meist deutlich geringer. Man sollte auch nicht den Fehler machen, allzu panisch zu werden. Unser Körper kann durchaus was vertragen, aber eben nicht in beliebigen Mengen und nicht tagaus, tagein. Daher mein Plädoyer für viel Abwechslung.

      Zu Rohmilch habe ich eine ziemlich klare Haltung: Da der Konsum von Milch fremder Säugetierarten erst mit der Domestizierung von Schaf, Ziege und Rind möglich war und auch in der Rohmilch sämtliche bioaktiven negativen Inhaltstsoffe enthalten sind (z.B. Casein, Albumine, diverse allergene Peptide und natürlich auch Laktose), halte ich davon nichts. Auch war die Milch von wilden Büffelkühen oder Antilopen mit Sicherheit nicht in freier Natur so ohne weiteres verfügbar, denn sich einer Herde dieser (scheuen) Tiere zu näheren, insbesonderen säugenden Muttertieren, ist eine lebensgefährliche Angelegenheit für unsere Urahnen gewesen und diese dann auch noch zu melken, ein Ding der Unmöglichkeit. Der einzige Pluspunkt an Rohmilch gegenüber pasteurisierter Milch ist der nach wie vor vorhandene Gehalt an natürlichen Enzymen der Milch, der jedoch durch potentiell denkbare bakterielle/virale Verunreinigungen wieder relativiert wird. Mir ist das Potenger'sche Katzenexperiment durchaus bekannt. Reproduziert werden, konnte es allerdings nicht. Wahrscheinlich also ein Mythos der Rohköstler.
      Das einzige für mich akzeptable, allerdings auch nur als "bedingt paleo" eingestufte Milchprodukt, ist reines Butterschmalz/Ghee, dem die problematischen Bestandteile wie Laktose und Milchproteine nahezu vollständig entzogen wurden. Straight-Edger verwenden es schon deswegen nicht weil es a) ein Milchprodukt ist und b) Verarbeitung bedurfte.

      Die Ammenmärchen, die man sich über das Fleisch von Schweinen, die artgerecht gehalten und ernährt wurden (alle anderen, konventionell gemästeten, mißhandelten und gedopten Schweine kommen im Rahmen von Paleo ohnehin nicht auf den Teller!) kann ich faktisch nicht nachvollziehen. Ich weiß, dass in der amerikanischen Naturmedizin ("Natural Hygiene") und europäischen Heilpraktikertraditionen ("Naturmedizin") allerlei düstere Legenden verbreitet wurden und nach wie vor verbreitet werden, aber denen entbehrt es vollumfänglich einer wissenschaftlich fundierten Evidenz.
      Religiös motivierte Gebote und Verbote lasse ich mal außen vor, da die (wie Religion an sich und generell) komplett auf der irrationalen Schiene laufen.

      Für mich gibt es daher summa summarum kein Problem mit Fleisch vom ordentlich gehaltenen und gefütterten Hausschwein.

      Von Wildschweinen, die ich ansonsten als ausgezeichnete Fleischquelle einstufen würde, wenn eine professionelle Beschau auf Trichinen und andere Parasiten durchgeführt wurde, nehme ich persönlich eher Abstand, da in meiner Gegend die Pilze im Wald, die von den Wildschweine sehr gerne gefressen werden, nach wie vor infolge der Tschernobyl-Katastrophe belastet sind und sich die radioaktiven Substanzen im Fett der Tiere leider anreichern.

      LG Robert

      Löschen
    2. Hi Robert
      Ich esse seit vielen Wochen jeden Tag gute 400-600g rohe Suesskartoffel weil ich dachte es waere gut.
      Bin nun aber sehr irritiert wegen den paar Giftstoffen die da drin sind.

      Dir wurde die Frage gestellt, wie du deinen Energy bedarf dann deckst?

      Da mann mit Paleo nicht viele Carbs, also keine 80-10-10 Schiene faehrt mit vielen Fruechten/Bananen und
      alle Getreide Produkte schlecht sind,
      Reis, Teigwaren, Kartoffel, Suesskartoffel
      oder auch Huelsenfruechte,

      Frag mich gerade wie man den Kalorien Bedarf von z.B. 2500 decken will.

      Das geht ja also nur mit viel Fett oder?
      Bitte korrigiere mich aber ich denke du wie jeder andere gesunde Mensch im Kopf isst keine 10kg Gemuesse am Tag, z.B. Brokkoli, rund 2600 Kalorien, rund 33 Brokkolis am Tag ^^ Nun gut, mit einem Mixxer koennte man sich ja 10 Getraenke damit ueber den Tag machen :)

      Nein im ernst, wenn man versucht, vegan zu leben, ist es dann ok viel Kokosnussfett, Oliven und Avocados zu nehmen? Um nicht vom Stuhl zu fallen weil man zu wenig Kalorien isst.

      Löschen
    3. Ein vernünftiges Maß an Eiweiß aus fettem Fleisch und Fisch, Innereien, Eier (...)., Obst, paleokonformes, zumeist stärkearmes Gemüse in beliebigen Mengen und Fette, die reich an gesättigten und einfach ungesättigten Fetten sind. Mehrfach ungesättigte Fette in geringen Mengen. Es ist m.E. völlig unproblematisch so auf 2500 kcal/Tag zu kommen - eher schon sehr leicht, darüber.

      Kokosfett ist dann in größeren mengen akzeptabel, wenn man nicht sensibel auf Salicylate reagiert., Oliven und Avocados sind m.E. unproblematisch. Problematisch ist vielemehr, vegan leben zu wollen, weil das nolens volens keien artgerechte Ernährung des Menschen ist. Paleo und Vegan gehen nur in Hirnen halbinformierter Kreise ernährungsphysiologisch zusammen.

      Gruß Robert

      Löschen
  2. Kein Mensch braucht Massen an Kohlenhydraten...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. wie ueblich braucht kein Mensch von etwas in Massen :)

      Die Frage ist nur ob jeder damit zu recht kommt, wenn er nur noch, sagen wir mal 200 Kohlenhydrate essen darf ( 800 Kalorien)
      und somiit, 150g Fett taeglich essen muss um den Energy Bedarf zu decken. (1350 Kalorien).

      Gesammt ohne Proteine, 2150
      plus 80g Proteine (320Kalorien)
      = 2470

      Kann ja gehen, aber es erscheint mir irgendwie zu viel Fett.

      Wenn man dann noch vegan bevorzugt, bedeutet dass ab jetzt,
      bei 150g/1350Kalorien Fett, 150g Schwarze Oliven, (525Kalorien) und
      Kokosnussmilch z.b., 320ml (600Kalorien) und
      1 Avocado ( 225 Kalorien)

      ganz grob gerechnet :)
      Die Rechnung ist natuerlich nicht ganz korret weil auf 80g Protein kommt man nicht so schnell als Veganer :P Wenn man alles sein laesst was nicht gut ist. Gemuesse bringt genug fuer den Tagesbedarf, der ist aber nicht 80g fuer ein normal gewichtige Person.

      Schmeissen wir halt noch ein Paar Schwarzen Oliven oben drauf, 150g por Tag sind ja nicht genug ^^

      Löschen
    2. Paleo und Vegan sind zwei Welten, die nicht zusammenpassen. Deswegen erspare ich mir eine Antwort. Iss (fettes) Fleisch, Innereien und Fisch, dann gehts dir gut. Iss es nicht und du wirst auf lange sicht krank. So einfach ist das mit der Evolution und dem Stoffwechsel, den sie geschaffen hat.

      Löschen
  3. Danke Robert, wieder ein sehr guter Artikel.
    Ich finde es gut, dass du zum Einen dir, bevor du einen Artikel schreibst, dir erst eine umfassende Meinung bildest, und nicht einfach Behauptungen aufstellst, zum Anderen, dass du auch Nahrungsmittel, die eig. als klassische Paleo-konforme Nahrungsmittel (wie viele dachten, Süßkartoffeln) kritisch betrachtest. Nicht alles, was wächst, ist frei von Giften und Antinährstoffen (siehe Knollengemüse), und auch in der Paleo-Szene werden zu viele Nahrungsmittel zu oft durch einen pinken Schleier verharmlost und verschönt betrachtet und zu oft konsumiert. Deine Artikel bringen einen dann immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
    Deinen Schreibstil finde ich auch sehr interessant, so lesen sich viele deiner Artikel wie eine gute wissenschaftliche Kolumne, die einen trotz harter Fakten auch mal einen Lacher entlocken.
    Weiter so :)
    Martin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Martin! Freut mich sehr, wenn meine Artikel bei Dir so gut ankommen!

      LG Robert

      Löschen
  4. Hallo Robert,
    Danke für Deinen, `mal wieder sehr lesenswert geschriebenen Artikel. Und Danke für Dein Versprechen. Da verlass´ ich mich drauf. ;-)
    Ich kann Olga nur beipflichten. Also nicht mit dem Schwein, sondern dem Speck ;-) Gebratener (Bauch)Speck ist ein echter Tausendsassa und passt (für mich) fast überall dazu. Olga rules! :-)
    Ich oute mich jetzt `mal als Weinbanause: aus wtf wird denn ein Dornfelder ausgebaut, wenn nicht aus der Dornfelder-Traube? :-o
    Sonnige Grüße von der Bergstrasse
    Marc

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Marc,

      Olga lacht sich grad scheckig nebenan. "Olga rules!" .... Super!
      Klar wird der "Dornfelder" aus der Dornfeldertraube ausgebaut und die rote Flüsigkeit wird auch in Flaschen abgefüllt, die wie Weinflaschen aussehen.... aber aus dieser Traube kann man einfach keine tiefgründigen, facettenreiche Weine machen, die auch nur annähernd an einen Spätburgunder oder Schwarzriesling herankommen. "Domina" und "Dornfelder" geben vor allem tiefdunke Farbe aber ziemlich übersichtliche Aromatik. Für "Novizen", was Rotweine angeht, keine schlechte Sache zum Einstieg allerdings. Also kauf Dir ruhig mal ein Fläschchen - den meisten "Weinbanausen" gefällt er ganz gut, weil er leicht zu verstehen ist.

      LG Robert

      Löschen
    2. WORD! Das mit dem Dornfelder sehe ich ganz genauso. Und mit Olga auch. ;)

      Löschen
  5. Wie passend, ich bin gestern erst mal wieder an Süßkartoffeln vorbeigegangen. In diesem Fall sprach ein weiterer Punkt gegen den Konsum: Süßkartoffeln sind häufig Importware (die gestern aus den USA) plus gelegentlich nicht als lose Kiloware, sondern in Plastikschalen abgepackt zu einem Kilopreis, für den man auch 5 kg Kartoffeln erwerben kann.
    (Ich gebe zu, für seltene Gelegenheiten muss es auch mal das Original sein (zwei Worte: schwäbischer Kartoffelsalat), es muss ja nicht der 5-kg-Sack verarbeitet werden.)

    Als regelmäßige Knolle auf dem Speiseplan hat sich in letzter Zeit bei mir übrigens die Kohlrübe/Steckrübe etabliert. Aus der Kindheit nur im Eintopf bekannt, kann man sie in allen Formen dünsten, braten, kochen oder pürieren.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eben - wenn schon selten, dann doch gleich richtige gute, alte deutsche Kartoffeln, oder? Die Idee mit den Kohl-/Steckrüben find ich klasse! Muß ich mich mal auf dem Wochenmarkt umschauen, ob ich noch welche auftreiben kann. Hab ich schon lange nicht mehr gemacht!

      LG Robert

      Löschen
  6. Danke für den sehr interessanten Bericht. Bei Süsskartoffeln war ich immer skeptisch, warum die "erlaubt" sind und habe sie bisher nur selten gegessen. Dank diesem Artikel bin ich wieder etwas schlauer.
    Sind Süsskartoffeln in einem Rezept verlangt, nehme ich meistens Pastinaken dafür. Die sind auch leicht süsslich und ausserdem wachsen die auch hier bei uns.
    LG Ulli

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schlechte Nachrichten?

      (Pastinaken = Parsnips (engl.))

      "Parsnips

      These contain toxic psoralens, which are potent light-activated carcinogens and mutagens not destroyed by cooking [Ivie 1981]. Parsnips contain psoralens at a concentration of 40 ppm, and Ivie [1981, p. 910] reports:

      Consumption of moderate quantities of this vegetable by man can result in the intake of appreciable amounts of psoralens. Consumption of 0.1 kg of parsnip root could expose an individual to 4 to 5 mg of total psoralens, an amount that might be expected to cause some physiological effects under certain circumstances..."

      Löschen
    2. Schade, ich dachte echt mit den Pastinaken eine tolle Alternative gefunden zu haben.
      Wenn man sich das so anschaut, kann man ja fast nichts mehr mit ruhigem Gewissen essen, irgendwo ist immer ein Haken.
      Trotzdem danke für den interessanten Hinweis.

      Löschen
    3. Generell scheinen Gemüse, die unter der Erde wachsen bezüglich Antinutrients potenter zu sein. Ich werde mich mal eingehder mit den klassischen heimischen Wurzelgemüse beschäftigen und berichten.

      Die Dosis macht das Gift - auch deshalb für viel Abwechslung sorgen.

      Löschen
    4. Mich würden auch mal Alternativen zu den ganzen starches und Co. interessieren. Von Süßkartoffeln, Cassava etc. habe ich ohnehin seltenst gegessen (viel zu teuer!), aber 2-3 x pro Woche Kartoffeln (in der Hoffnung, dass da die Antinutrients rausgezüchtet sind), im Herbst viel Kürbis, Bananen sowieso. Und nach dem Krafttraining auch mal Honig.
      Also: Ich freu mich schon auf einen "Kohlenhydrat-Report" :-)

      Löschen
    5. Danke für die Anregung - im Zuge meiner Never-Ever-Recherchen sind mir mittlerweile tatsächlich Alternativen ins Auge gefallen, jedoch muß ich da noch tiefer einsteigen, da die Zahl der "Hochjubelartikel", die lediglich die positiven Inhaltsstoffe publizieren, ungleich größer ist und solche leichter zu finden, als seriöse Quellen, die auf potentielle Risiken hinweisen. Ich will nicht den Fehler machen, den viele andere gemacht haben, und vorschnell Empfehlungen abgeben, die Euch am Ende schaden könnten.

      LG Robert

      Löschen
  7. Wahrscheinlich hat alles außer Früchten, die von der Pflanze zum Verzehr ausgelegt sind, Antinurtieneten, also auch Tomaten und Gurken, da zwar Früchte, aber die Samen überstehen die Verdauung nicht, deshalb nicht von der Pflanze dafür vorgesehen, sondern davor geschützt.
    Übrigens basieren Religionen auf Erkenntnissen, wenn auch diese nicht immer unverfälscht weitergegeben werden. Im Ayurveda gibt es zwei interessante Kategorien: Tamasisch und Sattvisch. Diese sind insbesondere beim Thema Schweinefleisch interessant.

    AntwortenLöschen

Die Veröffentlichung Deines Kommentars findet statt, nachdem ich diesen freischalte. Kann ein wenig dauern... . Hinweis: Offensichtliches Dumpfbackengelaber, Verstöße gegen die Netiquette sowie Spamming führen zur unkommentierten Nichtveröffentlichung des Kommentars. Als Hausherr dieses Blogs obliegt das meiner Entscheidung. Danke fürs's Verständnis.